Samstag, 24. August 2013

Das Korsett- Teil 3- Üben macht die Korsett-Trägerin

Ich wurde angehalten, das Korsett locker zu schnüren. Dazu musste ich meine Arme nach hinten führen und im Spiegel kontrollieren, ob ich das richtig machte.
Es gibt eine Regel: Beim Anziehen von oben nach unten, beim Ausziehen umgekehrt. Also ohne Spiegel würde ich gar nicht finden, wonach ich suche!

Und mein Arme! Hier heißt es: gelenkig sein- oder werden. Die richtigen Schnüre zu finden bedarf wirklich der Übung.

Nach einer halben Stunde war die Ballettmeisterin dann soweit mir zuzugestehen, dass ich jetzt aus ihrer Übungsstunde entlassen werden kann. Es gab Kaffee und ein interessantes Kundengespräch.

Das Korsett- Teil 2- Das richtige Korsett


Ich wurde nett in Empfang genommen, ich erzählte mein Anliegen und die kleine Frau, die den Laden innehat, holte aus einem Schubfach ein Korsett hervor.

Nun hieß es Anprobieren und Regeln hören. Niemals! Ja. Niemals nicht bücken, wenn man ein Korsett trägt!!! Der Rock wird über den Kopf gezogen, Alles wird über den Kopf gezogen. Außer Schuhe.
Da muss man halt jemanden haben, der den Schuhlöffel hält. Personal.

Das Korsett war eindeutig zu lang, damit konnte ich nicht sitzen, also wurde ich wieder aufgeschnürt und in ein anderes Modell eingeschnürt. Das war besser, ich lief darin herum und befand es für passend. Und: ich hatte eine Taille!! Wie geil ist das denn? Dieses Korsett musste ich haben. Aber nachdem ich der Verkäuferin das gesagt hatte, setzte sie eine strenge Ballettmeisterin- Miene auf und meinte. „Na,dann werden Sie jetzt üben.“

Und ich übte.

Das Korsett- Teil 1- Der Weg

Urlaub. Endlich Urlaub. Die Adresse für den Laden in B. hatte ich mir schon lange heraus gesucht. Das Wetter war schön. Es war im Juli nun doch Sommer geworden- und ich hatte Zeit.
Tageskarte kaufen und nach B. fahren. Mit den Öffis.

Zuerst musste ich feststellen, dass das Navi auf meinem Smartphone doof ist. Ich lief sinnlos im Kreis herum, dafür weiß ich aber jetzt, wo die „Bar jeglicher Vernunft“ ist.
Irgendwann nervte die Herumirrerei dann doch und ich fragte nach. Schließlich fand ich den kleinen Laden- nach 2 Stunden Weg!“ - und trat ein.

Die Schnürbrust

Hab ich mir doch die volle Packung bestellt, also den Schnittmusterbogen und den Stoff und eine Zange und Hülsen und und und…

Ja und dann habe ich es ausgepackt und festgestellt: die Anleitung ist auf ENGLISCH. Nun bin ich ja erfinderisch, habe S. mein Leid geklagt und sie hat mir alles übersetzt. Die Gute.

Ich schaute auf den Bogen, schaute auf die Übersetzung und ….resignierte. Zum Glück konnte ich das Ganze zurück schicken. Hiermit meinen Dank an Nehelenia Patterns. Vorzüglicher Service. Und dann bin ich losgezogen, um mir ein fertig genähtes Korsett zu kaufen.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Die Tanzkarte

Also wenn M. etwas organisiert, dann macht sie es richtig. Nicht nur, dass unsere Unterbringung und die Tanzlocation einfach perfekt waren, auch das Drumherum stimmte einfach.
Dazu gehörten auch die Tanzkarten.

Wenn jemand etwas von Tanzkarten weiß, dann N. Sie erzählte mir, dass es zur Jane-Austen-Zeit auch üblich war, Tanzfächer bereitzustellen. Hier trugen sich die Herren ein und die Damen wussten, zu welchem Tanz sie welchen Tanzpartner hatten und wann sie einfach nur dasitzen und schön sein mussten. Der Tanzfächer, oder auch die Tanzkarte wurde am Handgelenk getragen. Ein bischen Recherche im Netz ergab folgendes Bild:



Unsere Tanzkarten:


Innen standen die Tänze, dahinter konnte man den Tanzpartner eintragen. Wir waren also am Nachmittag gehörig damit beschäftigt, uns zu jedem Tanz einen Tanzpartner zu "reservieren".

Die Tanzliste selbst umfasste folgende Tänze:
1-Indian Queen, 2-Mulberry Garden, 3-Easter Morn, 4-Mr. Isaac's Maggot, 5-Arolsen-Anglaise (eine Erfindung unserer Tanzleiterin B. und ein wunderschöner Tanz. Danke dafür!), 6-Leah's Waltz, 7-Comical Fellow, 8-Hole in the Wall, 9-Mr. Beveridge's Maggot, 10-Blue Flag, 11-Childgrove, 12- The Introduction, 13-Old Bachelor, 14-Short and Sweet, 15-Merry Andrew, 16-Scotch Measure,17-Duke of Kent's Waltz, 18-Dublin Bay, 19- Holborn March, 20-Emporer of the Moon, 21.Folia

Obwohl meine Karte nicht ganz voll war, habe ich fast alle Tänze getanzt (nur nicht die schräg gedruckten).

Irgendwann spürte ich meine Füße nicht mehr. Es war einfach ein großartiger Ball. Vor allem beeindruckten mich die vielen schönen Menschen, die Roben waren phänomenal, die Frisuren der Frauen kunstvoll und alle sahen sooo toll aus. Und ich habe beschlossen, ich brauche auch so ein Robe.

Naja, es bleiben ja immerhin 5 Jahre Zeit zum Nähen lernen, dann ist der nächste Ball angesagt.



Tanzprobe und Rittermahl

Am Morgen regnete es immer noch. Das Frühstück war reichlich und lang. Gegen 10:30 Uhr machte ich mich auf den Weg zum Schloss. Dort war aber noch keiner. Selbst als alle Tänzer eingetroffen waren, ging es nicht los, denn im Saal war eine Führung. Aber dann. Der Saal ist ein Augenfänger. An der barocken Decke wechseln weiße Stuckverzieungen mit bunten Malereien. Der Fußboden besteht aus kunstvoll gelegten Holzdielen. Drei kristallene Leuchter hängen in den Saal hinab. Durch die hinteren Fenster kann man in den schön angelegten Garten schauen, der aber leider nicht zu begehen war.



In diesem Ambiente tanzt es sich doch noch mal so gut. Die Probe war super organisiert, zuerst kamen die schweren Tänze, dann, am Nachmittag, die leichteren. Um 17:00 Uhr mochten meine Füße nicht mehr. Außerdem hatten wir nur noch eine Stunde bis zum Rittermahl.

Dieses wurde im Saal vom Hotel ausgerichtet. Ich habe die Speisekarte nicht mehr im Kopf (Klauen hab ich mich nicht getraut), aber es gab in Honig eingelegte Rippchen, eine traumhafte Suppe, noch mehr Fleisch, Gemüse und sogar einen Verdauungsschnaps. Das Mahl dauerte lange. Wir saßen an runden Tischen zu acht, aßen, erzählten und waren guter Dinge.

Gegen ca 20:00 Uhr hieß es Aufbruch: ins Hotel gehen und für den Ball aufhübschen. Zum Glück hat mir H. beim Hochstecken der Haare geholfen. Dann gingen wir gemeinsam zurück zum Ballsaal, wo inzwischen die Tische weg geräumt worden waren. Es regnete immer noch, aber das störte wohl niemanden, wir freuten uns einfach auf den Ball.



Mathilde

Am Wochenende war es endlich soweit. Gleich am Freitag früh schnappte ich mir den Koffer, packte ihn das 4. Mal um und brachte ihn zum Auto. Dann ging es nach Berlin, wo ich wider Erwarten tatsächlich die Adresse fand, wo ich A. abholte. Ich bin immer recht froh, dass wir die Strecke gemeinsam fahren.
Mathilde war auch mit, das ist das Navi von A.. Mit Mathilde sind wir auf der sicheren Seite. Dass Mathilde die Abfahrten immer zu früh oder zu spät ansagte,(Biegen Sie JETZT rechts ab, aber dalli!)hätten wir ja noch verknusen können, aber irgendwann war Mathilde eingeschnappt. Wir hatten nämlich eine Abfahrt in Braunschweig verpasst und nun wollte uns das NAVI über die Dörfer lotsen, was wir (wahrscheinlich dummerweise) nicht einsahen, denn wir wollten ja Autobahn fahren. Das haben wir auch gemacht, so 5 km, dann standen wir im Stau, denn auf der A7 war ein LKW umgekippt. Nun gut, passiert.

Da waren es bis Erfurt noch 175 km. Als es nur noch 75 km waren, wurden wir dann doch misstrauisch. Wir schalteten Mathilde stumm (sie hatte sowieso seit 100 km nichts mehr gesagt) und griffen auf die gute alte Straßenkarte zurück. Auweia! Mathilde hatte uns mächtig reingelegt, wir waren 100 km Umweg gefahren. Letztlich kamen wir aber doch wohlbehalten ind Bad Arolsen an, nur eben 2 Stunden später als geplant. Unfreiwillig haben wir dann so nebenbei die Deutsche Fachwerkstraße kennen gelernt.

In Arolsen hatten wir eigentlich noch einen Stadtrundgang machen wollen, denn nach unserer Rechnung wären wir locker um 16.00 Uhr da gewesen. Da es aber wie aus Kannen regnete, war das auch nicht so wild. Nachdem wir uns beim Italiener des Ortes gestärkt hatte, ging's in die Wellnesslandschaft des Hotels. Ein schöner Ausklang eines langen Tages.